Verzaubert vom Wald und der Landschaft des Böhmischen Mittelgebirges

Am Ende eines entspannten und freudigen Sommers konnten wir mit zwei deutschen Gruppen die innovativen Programme Zauberwald und Expedition Mittelgebirge testen. Für viele Teilnehmer waren diese wenige Tage in Oparno ihr erster Besuch bei den Nachbarn.

24. – 26. 8.2020 (modul 2)

Der Zauberwald hat die Teilnehmer in eine völlig andere Umgebung geführt, als sie es gewohnt sind. Trotzdem wurde er für sie für kurze Zeit eine Zuflucht, ein lebendiges Lehrbuch und ein Raum zum Austoben. In ihren Arbeitsgruppen untersuchten die Kinder das Leben von Pflanzen und Tieren im Wald und zeichneten alles sorgfältig in ihre Arbeitstagebücher auf. Sie fanden heraus, dass der Wald ein vielschichtiger Lebensraum für alle möglichen Lebensformen ist, in dem alles mit allem verbunden ist. Infolgedessen erkannten sie, wie wichtig es ist, das Gleichgewicht in der Natur aufrecht zu erhalten. Auch wenn eine Pflanze uns nicht mit ihrer zauberhaften Blüte blendet oder uns ein zu langbeiniges oder haariges Tier nicht gefällt, haben sie einen wichtigen Platz in ihrem Lebensraum. Die Kinder wurden sich dessen bewusst und werden die Natur hoffentlich zukünftig auf leisen Sohlen betreten.

Um den Wald effektiv zu schützen, müssen wir zuerst die Beziehungen in ihm verstehen, ihn mit allen Sinnen wahrnehmen und mit angenehmen Gefühlen erleben, um den Reichtum zu erkennen, den er uns bietet. Im Wald leben viele kleine, sogar mikroskopisch kleine Lebenswesen fast Hexen und Zauberer, die ihre Gaukeleien unsichtbar durchführen und ihr tägliches Gewimmel führt zu großen Zaubereien im Wald. Dessen konnten wir gemeinsam auf einem sonnigen Hang, unter den Buchen, im Schatten der Erlen, am singenden Bach Zeugen sein.

4. – 6.9.2020 (modul 1)

Die Expedition des Mittelgebirges führt zu einer tieferen Kenntnis der lokalen Landschaft, ihrer Geschichte, aber auch zu einer Selbsterkenntnis in ihrer Mitte.  Sie überschreitet gleich mehrere Grenzen, sowohl auf der Karte als auch der Persönlichen. In wenigen Tagen konnten die Teilnehmer die Geschichte der umliegenden Berge, ihrer Hänge und Täler berühren und durchwandern. Sie probierten verschiedene Rollen in thematischen Spielen aus und während sie in Gruppen arbeiteten, entwickelten sie die Fähigkeiten für Zusammenarbeit.

Die Zeit, in der in Urgeschichte spitze und kahle Hügel ohne Leben entstanden sind, ist uns zu entfernt und fremd. Die Ergebnisse der Landschaftsbildung mittels verschiedener Elemente sind oft unter Bäumen und Blumen verborgen. Unser Bezug zur Vergangenheit, die aus geologischer Sicht nicht weit zurückliegt, ist einfacher. Der Mensch leistet als weiterer Faktor seit Jahrtausenden einen bedeutenden Beitrag zur Bildung der Landschaft.

Wie war es, in ein unbekanntes Ödland zu durchdringen um nach neuer Heimat zu suchen? Das haben die Teilnehmer auf eigenem Leibe erfahren, als sie als ein frühmittelalterlicher slawischer Stamm das Berg Lovosch bestiegen. Wie kann man mit den Schwierigkeiten umgehen, die die Natur und die menschlichen Beziehungen einer reisenden Gemeinschaft in den Weg stellen? Einige Strategien waren erfolgreich, andere mussten verbessert werden.

 Fortgeschrittene Zusammenarbeit und konzeptionelles Denken waren auch im Brettspiel für die Gründung eines Dorfes erforderlich. Der Vorteil hatte diejenige Gruppe, die aufmerksam zuhörte und die neuen Erkenntnisse gut auswendig lernte. Für richtige Antworten bekam sie zum Beispiel zu Beginn bessere Bedingungen für die Lage ihres Dorfes. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts betrifft die zwei Nachbarn stark. Viele Jahre sind vergangen und mehrere Generationen haben schon in ihrer Landschaft gelebt, die anfangs unbekannt und anspruchsvoll war. Unabhängig von Grenzen können nun die jungen Menschen von heute auf die Erfahrungen der menschlichen Gemeinschaft zurückblicken und darauf zurückgreifen. Das Programm enthält viele Seiten eines Buches Namens Böhmisches Mittelgebirge, von denen viele noch zu lesen sind und andere auf neue Geschichten warten.

Kateřina Pilátová