Geben sie mir etwas Zeit und aus den Bergen werden Täler, sagte der Milleschauer Bach

Am Ende September kam zu uns eine Kindergruppe aus unserer deutschen Nachbarschaft um die Landschaft des Böhmischen Mittelgebirges zu untersuchen.

Sie konnten sich auf drei Tage von Zeit- und Terrainwandern freuen und sie kehrten zurück reicher nicht nur um Erkenntnisse von Geographie und Historie, sondern auch um das Erkennen von sich selbst.

Um festzustellen, mit wem wir die Ehre haben, gingen wir von der Oparno Mühle in dem Tal bis zu dem Sender über Oparno, um die Aussicht auf den höchsten Berg des Mittelgebirges zu genießen. Dort konnte man über dem Entstehen der Landschaft direkt in dem realen Modell lesen, sehr anschaulich. Heute fällt es schwer sich vorzustellen, dass die Berge, auf die wir außer Atem klettern, früher der Boden des Ozeans waren, und darüber hinaus war es fließende murmelnde Lava. Erst nach dem Rücktritt des Meeres modellierten die Naturgewalten die Landschaft, die wir uns heute gerne anschauen. Bei einer detaillierteren Untersuchung eines Feldes an dem Sender fanden wir auch Erosionsrinnen, die uns das Entstehen des Tales nahe brachten, in das wir dann wieder rückkehrten.

In die Landschaft greifen nicht nur Natureffekte ein, sondern während der letzten zwei Jahrtausende sehr deutlich auch Menschen. In dem nächsten Programmblock entdeckten wir, mit welcher Intensität im Zusammenhang mit der Besiedlung diese Eingriffe verlaufen. Die uralte und alte Zeit verliefen wir schnell. Nach dem Erkennen des Lebens unserer Vorfahren haben zwar die uralten Fundstellen der Menschensiedlungen eine große Wichtigkeit, aber der Einfluss der damaligen Menschen auf die Landschaft war nur gering. Wesentliche Veränderungen kamen im Mittelalter. Um näher in die Haut der alten Bewohner zu kommen, wurden wir ein Stamm von Slawen, die durch den Urwald wanderten und ein neues Gebiet zum Besiedeln suchten. Für alle Teilnehmer war die Geschichte über Urvater Tschech ganz neu. Statt auf den Berg Rip zu steigen, stiegen wir auf den Berg Lobosch. Auf dem Weg musste wir viele Hindernisse überwinden, Frauen, Kinder und Alten mussten geschützt, Verletzten getragen und müde Kinder gestillt werden, die Laune von allen musste verbessert werden, dazu brauchten wir einen starken und schlauen Führer, der von dem Stamm am Anfang der Wanderung gewählt wurde und deren Qualitäten und Strategien sich auf dem Weg verwiesen und auch deutlich verbesserten. Radegast oder Svarog gönnten uns nicht, der Blick von oben auf die weite, fruchtbare Tiefebene, den breiten Fluss voll von Fischen und auf die weiten starken Bergen bleib im Nebel.

In Wärme und Trocknen der Stube in der Mühle kehrten wir in der Zeit ins Hochmittelalter zurück und wurden zu Kolonisierenden der wüsten Landschaft. Auf uns wartete ein strategisches Spiel, in dem wir Dörfer gründeten. Gruppen planten dabei eine effektive Nutzung der Landschaft und des Naturreichtums, sie gründeten Dörfer und nach der Situierung in der Landschaft und nach eigener Wichtung wurden sie eher Bauer, Kaufleute oder Handwerker. Bei dem Spiel konnte man erkennen, wie die Naturverhältnisse die Gestalt der Menschensiedlungen beeinflussen. Der Abendteil des Programmes brachte den Teilnehmern die Geschichte der deutschen Besiedlung der Nordböhmen nahe, samt der bitterlichen Ende und stellte eine Frage nach deren Einfluss auf die Landschaft.

Aktivitäten des letzten Tages brachten uns wieder zurück in die Gegenwart. Wir untersuchten, welche Eigenschaften und Funktionen eine funktionierende Landschaft hat. Wir machten uns auf eine Wanderung mit einem Schallmesser in der Hand, wir gingen das Tal entlang durch den Kirschgarten bis zu der Autobahn und forschten, welcher Lärmpegel bei den Menschensiedlungen ist, welche Ruhe in dem Wald ist, wo man angenehm erholen kann, ob der Lärm mehr für Obst in dem Baumgarten oder für Tiere auf dem Feld schädlich ist, und ob wir uns überhaupt hören, wenn wir an der Zange über der Autobahn stehen. Am Nachmittag wurden die Teilnehmer zu Gruppen mit verschiedenen Interessen geteilt – Baumeister, Bürgermeister, Naturschützer und sie planten die Autobahn D8 durch das Böhmische Mittelgebirge. Es zeigte sich, dass sich jeder in seine Rolle einfühlen kann und er bemüht sich seine Meinung zu verteidigen, manchmal auch trotz seiner persönlichen Überzeugung, und Konsensus fällt schwer, obwohl es sich nur um ein Spiel handelt.

Das Programm wird so geplant, dass Bewegungsspiele, Gewinnen von Erkenntnissen, individuelle Eindrücke durch alle Sinne und Teamarbeit wechseln. Am Ende sind die Teilnehmer in der Lage sich in die Landschaft einzufühlen und ihren Wert zu schätzen, und sie verstehen, dass der Mensch ein Bestandteil der Landschaft ist und für sie eine große Verantwortung hat. Die Annäherung mit dem Ort, Fähigkeit den Wert und den positiven Einfluss der ungestörten Natur und Landschaft auf den Mensch zu schätzen, war vor allem in dem Zuruf bei dem letzten Spiel klar: „Wir brauchen sie doch alle!“

Kateřina Pilátová